Kongress 2014

Das “Forum Deutscher Katholiken” bereitet nach dem diesjährigen Kongress mit dem Motto “Der Mensch ist gefährdet – was rettet ihn?” (Papst Franziskus) bereits den Kongress “Freude am Glauben” für 2015 vor. Er findet vom 31. Juli bis 2. August in Fulda statt und wird das Gesamtthema haben “Ehe und Familie – gottgewollter Auftrag und Weg zum Glück”. Wir werden ab Ende Oktober über den neuen Kongress berichten. Bis dahin möchten wir noch einen Blick auf den diesjährigen Kongress werfen.

Der Kongress “Freude am Glauben” war ein großartiges Fest, an dem über 1000 begeisterte Katholiken, darunter erstmalig eine Gruppe aus Frankreich, Belgien und Italien teilnahmen. In den Medien wurde der Kongress als das “größte bundesweite Treffen von konservativen katholischen Gruppen” bezeichnet.

Krisenherde in der Gesellschaft –
Rettung durch den Glauben

Ein Bericht über den Kongress „Freude am Glauben in Fulda“
Raymund Fobes

Existentielle Fragen drängen auf Antworten – insbesondere, wenn es um die Zukunft des Menschen und der Gesellschaft geht. Der vom Forum Deutscher Katholiken organisierte Kongress „Freude am Glauben“ warf diesmal eine Frage auf, die auch Papst Franziskus zutiefst bewegt: „Der Mensch ist gefährdet – was rettet ihn?“
Beim Kongress, der vom 25. bis zum 27. Juli – in diesem Jahr wieder in Fulda – stattfand, wurde nicht nur diese Frage aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, es wurden auch wirklich hilfreiche Antworten gegeben, sodass man zum einen bereichert, zum anderen aber auch mit einem Rucksack voller Hausaufgaben für das christliche Leben zurückkehrte.

Der Weg aus der Kirchenkrise
ist die Nachfolge Christi

Eröffnet wurde der Kongress mit einem Pontifikalamt im Fuldaer Dom. Hauptzelebrant und Festprediger war Kardinal Gerhard Ludwig Müller. In seiner Ansprache erinnerte der Präfekt der Glaubenskongregation an die Apostel als Fundament der Kirche, deren Schlussstein Jesus Christus selbst ist. Die Lehre der Apostel bleibe gerade dadurch lebendig, dass die Bischöfe als ihre Nachfolger sie bis heute verkünden – und dies in der Einheit mit dem Bischof von Rom, dem Papst.
Müller erinnerte auch an den Siegeszug des Christentums in den ersten Jahrhunderten, der vor allem dem Zeugnis der Apostel zu verdanken ist. Diese hätten freilich nicht „mit Geld, Propaganda und imperialer Gewalt“ die Welt erobert, sondern letztlich ganz in der Nachfolge Christi mit „Schwachheit und Leidensbereitschaft“. Entscheidend sei auch, dass die Kirche für die „Freiheit des Glaubens“ stehe, „die mit Zwang nicht vereinbar ist.“ Insofern möchte sie „den Menschen mit großer Ehrfurcht vor ihrem Gewissen helfen, dass sie freiwillig Gott über alles lieben und den Nächsten lieben wie sich selbst“, so Müller.
Indessen dürfe die Kirche sich aber nicht dem Zeitgeist anbiedern, weil sie dem Herrn verpflichtet ist. Und Kardinal Müller ist überzeugt: Der Weg aus der Kirchenkrise ist der Weg der Nachfolge Christi.
Genau diesem Grundgedanken wusste sich auch der Kongress verpflichtet. So mahnte Prof. Hubert Gindert, Vorsitzender des Forums in seinem Wort zur Begrüßung an, maßlosem Konsumverhalten, ungebändigter Sexualität und übermäßiger Eitelkeit die Freude am Glauben entgegenzusetzen.

Rechter Umgang mit der Schuld

Dass zu einer gelungenen Christusnachfolge auch der ehrliche Umgang mit der Schuld gehört, zeigte der österreichische Psychiater Raphael Bonelli. Überdies machte er deutlich, dass dies auch der psychischen Gesundheit förderlich ist. Bonelli wies darauf hin, dass Schuldgefühle in vielen Fällen ein Alarmzeichen sind, sich zu ändern, so wie auch der Schmerz auf körperlicher Ebene eine wichtige Warnfunktion hat. Wer keinerlei Schuldbewusstsein habe, der sei im letzten nicht beziehungsfähig, Andererseits gebe es auch pathologische Schuldgefühle, sie seien zumeist Ausdruck von Selbstunsicherheit oder einem depressiven Charakter.
Bonelli plädierte deutlich für die Beichte. Hier würde der Pönitent die ganz konkrete Erfahrung machen: Gott vergibt mir. Unerlässlich sei es dafür, dieses Bekenntnis vor dem Priester auszusprechen und durch ihn die Absolution zu erhalten, handelt der Geistliche doch in der Person Christi.

Gerechtigkeit und Gleichwertigkeit

Weltkrisen entstehen, wenn Heilige fehlen. Dieses Wort des heiligen Josémaria Escriva de Balaguer zitierte Christian Müller, Professor für Wirtschaftswissenschaften in Münster, in seinem Referat zum Thema „Die Krise der Wirtschaft als Krise des Menschen“. Das Problem der Finanzkrise sei im letzten die fehlende Bereitschaft zur Haftung gewesen, gepaart mit übermäßiger Gier, die zu den sieben Hauptsünden gehört. Zwar sei Gewinnmaximierung immer auch ein Ziel der Ökonomie, gleichwohl dürfe die Dienstfunktion des Geldes nicht vergessen werden. Ein Fetischismus des Geldes, wie es Papst Franziskus ausdrückt, sei moralisch nicht akzeptabel.
Positiv würdigte Müller die Religiosität als Wirtschaftsfaktor: Religiöse Menschen konsumierten unter anderem weniger Drogen und Alkohol, sie lassen sich seltener scheiden und haben mehr Kinder und sie legten einen stärkeren Altruismus an den Tag.
Für Gleichwertigkeit, aber gegen Gleichmacherei plädierte Prof. Elmar Nass. Der Priester und Professor für Wirtschaftsethik in Fürth sprach sich dafür aus, Fähigkeiten einzufordern, um Schmarotzertum zu verhindern. Andererseits müssten unterschiedliche Begabungen akzeptiert werden, daher könne es auch keine Gleichheit im Bildungssystem geben.
Nass beklagte auch, dass in Fernsehtalkshows islamistische Hassprediger unzensiert sprechen könnten, indessen das katholische Familienbild verhöhnt werde. Gerade über die schwierige Situation der Christen im islamisch geprägten Nahen Osten sprach Simon Jacob vom Zentralrat orientalischer Christen. In einem kurzen Statement beklagte er einerseits die weitgehende Ausrottung christlicher Gemeinden in einer Stadt wie Mossul im Irak, andererseits plädierte er aber für die Notwendigkeit des gemeinsamen Dialogs. Besonders drückte Jacob seinen Dank gegenüber dem Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Müller sowie dem Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen aus, die sein Anliegen unterstützen.

Gefährdung der Familien

Dass auch die Familie und vor allem die Kinder heute gefährdet sind, hatte Forumsvorsitzender Hubert Gindert schon in seinem Grußwort angesprochen. Intensiver mit dieser Thematik befasste sich ein Vortrag von Josef Kraus, dem Vorsitzenden des Deutschen Lehrerverbandes, sowie die anschließende Podiumsdiskussion, an der neben Kraus auch die Psychologin Consuelo Gräfin von Ballestrem, der Schuldirektor an der Freien Christlichen Schule Freiburg (Breisgau), Michael Hageböck, sowie die Sprecherin der „Initiative differenziertes Schulwesen“, Inge Ritt, teilnahmen. Kraus beklagte vor allem die antiautoritäre Erziehung, die ab den ausgehenden 1960er Jahren propagiert wurde. Deren Begründer Alexander Neill war der Auffassung, dass allein das Recht auf Spielen seine Berechtigung hat. Gegen eine solche Haltung forderte Kraus, dass auch das einer Verantwortung Sich-Stellen zur Erziehung gehört. Auch Vorbild und Autorität sind notwendig, ebenso wie die Bereitschaft, sich Zeit für die Kinder zu nehmen und Anwalt der Jugend zu sein.
Die anschließende Podiumsdiskussion sprach unter anderem die Problematik der Sexualerziehung an der Schule an. Gräfin Ballestrem zeigte sich besorgt über Formen der Sexualkunde, die dazu führen, dass die Kinder den Körper als Konsumgut verstehen lernen, was wiederum das Eingangstor in eine Pornosucht werden kann. Ingrid Ritt ermutigte als erfahrene Elternbeiratsvorsitzende in diesem Sinn dazu, sich an die Schule zu wenden und sich zu wehren. Als wichtige Prävention gegen eine Übersexualisierung wurde unter anderem empfohlen, die Computer und den Internetzugang zu kontrollieren, konkret auch keinen PC im Kinderzimmer aufzustellen.

Den Glauben verkündigen

Eine weitere Podiumsdiskussion befasste sich mit der Frage, wie die christliche Botschaft – eben die Antwort auf die Gefährdung des Menschen – heute weitergegeben werden kann. An diesem Gespräch nahmen der Regens des Fuldaer Priesterseminars Prof. Dr. Cornelius Roth, Sabine Betschmann von der Initiative „Deutschland pro papa“ und Franz Broser von der Schio-Bewegung sowie Bischofsvikar Christoph Casetti aus Chur teil. Domherr Casetti sprach vor allem die Kraft des Gebetes an. Oft brauche es zur Veränderung einen langen Atem, doch man solle dem bösen Widersacher widerstehen, der immer wieder versuche einem einzureden: „Hör doch auf damit, es hat sowieso keinen Sinn.“ Sabine Betschmann ermutigte zu einem freundlichen Christsein: „Wünschen Sie der Verkäuferin im Supermarkt auch einmal einen guten Morgen“, und Regens Roth warb für ein überzeugtes christliches Leben. Auf die Frage des Moderators Bernhard Müller, Geschäftsführer beim FE-Medien-Verlag, welche Erfahrung die Podiumsteilnehmer mit der Verkündigung unbequemer Aussagen des Christentums – etwa der Sexualmoral – machen, gab Bischofsvikar Casetti die Empfehlung, in der Seelsorge solche Menschen zu Wort kommen zu lassen, die mit der kirchlichen Lehre selbst gute Erfahrungen gemacht haben und diese begeistert weitergeben können.
Zum Thema der Glaubensverkündigung gehört auch der Bereich der Medien. Mit der Frage, wie Kirche in den Medien dargestellt wird, befasste sich der Journalist Peter Winnemöller. Winnemöller, der unter anderem das Forum „katholon.net“ im Internet betreibt und dessen Artikel in kirchlichen Magazinen wie „Komma“ oder „Der Durchblick“ zu finden sind, zeigte in seinem Referat, wie wenig die meisten Journalisten heute mit der kirchlichen Welt vertraut sind. Was zum Beispiel die Eucharistie bedeutet, können viele Mitglieder der schreibenden Zunft kaum vermitteln – wenn dann sogar der Leib Christi bei der Fronleichnamsprozession zum „Hos-tier“ wird oder vom „katholischen Abendmahl“ die Rede ist. Papst Franziskus habe, so Winnemöller, zurzeit noch gute Karten bei der Presse, er befürchte aber, dass sich das bald ändert – denn der Papst ist durch und durch katholisch, was viele Presseleute nicht wahrhaben wollen.
Zudem wies Winnemöller darauf hin, dass in der kirchlichen Presselandschaft vor allem private durch Spenden finanzierte Initiativen wie etwa der Internetnachrichtendienst „kath.net“, aber auch katholische Blogs wirklich viele mit ihrer engagierten und nicht weichgespülten katholischen kirchentreuen Botschaft erreichen und insofern zu fördern seien.
Aus einer ganz anderen Perspektive näherte sich der emeritierte Augsburger Dogmatikprofessor Anton Ziegenaus dem Thema Verkündigung. Er lenkte den Blick auf die Gottesmutter, konkret auf die Erscheinungen in Fatima. Ziegenaus machte deutlich, dass im Erscheinungsjahr 1917 in Portugal eine kirchenfeindliche Regierung an der Macht war. Dennoch konnte durch die Erscheinungen der Gottesmutter, die unzählige Menschen anzogen, das religiöse Leben in dem Land wieder zur Blüte gelangen.
Der Kongress schloss mit einem Pontifikalamt im Fuldaer Dom, bei dem Diözesanbischof Heinz-Josef Algermissen Hauptzelebrant war. In seiner Predigt sprach er unter anderem das Thema „Sterbehilfe“ an. Hier sind wir als Christen gerufen, Todkranke auf ihrem letzten Weg zu begleiten, nicht aber ihren Tod herbeizuführen. Denn unser Glaube trage auch in der persönlichen Grenzsituation des eigenen Todes. Er gebe Hoffnung, wo jede irdische Hoffnung zerplatzt. Besonders drückte Algermissen seine Verbundenheit mit dem Kongress aus. Die zu „Freude am Glauben“ versammelte Gemeinschaft bezeichnete er als „große Familie, die im Glauben verbunden ist“.
Neben den beiden Pontifikalgottesdiensten fand beim Kongress auch eine heilige Messe im außerordentlichen Ritus mit dem Apostolischen Protonotar Prälat Lucien Lamza statt; darüber hinaus waren die Teilnehmer zu einer Lichterprozession durch die Straßen Fuldas eingeladen – ein gemeinsamer Marsch zu Ehren der Gottesmutter, an dem 450 Gläubige teilnahmen
Auch für die Jugend gab es wieder ein Programm, unter anderem einen Workshop, in dem die Teilnehmer in lebendigen Bildern das Leben der Gottesmutter darstellten. Die szenischen Bilder, die die Jugendlichen am Abend des ersten Abends vorstellten, waren ein beeindruckendes Zeugnis für einen gelebten Glauben. So war wieder einmal mehr der Kongress „Freude am Glauben“ eine echte Bereicherung für das Glaubensleben.

Gäste, die immer gerne kommen

Das belegen auch Gespräche, die der Autor dieses Artikels mit einigen Mitgliedern von Gruppierungen führte, die schon lange Zeit beim Kongress dabei sind. So freute sich Hanni Christoph von der „Katholischen Pfadfinderschaft Europas“ (KPE), dass beim Kongress viele kommen, die sich auch für die Pfadfindertruppe interessieren und zuweilen auch neue Mitglieder gewonnen werden können. Die KPE bereichert den Kongress nicht zuletzt durch ihren Singekreis und durch gelungene Gesangseinlagen ihres Mädchenchores, geistliche Lieder, die von Herzen kommen und zu Herzen gehen – und die auch auf CD auf dem Kongress erhältlich sind.
Schon seit vielen Jahren beim Kongress ist die geistliche Familie „Das Werk“. Am Stand beim Kongress stellen die Schwestern Margarete Dach und Monika Mader die im österreichischen Bregenz ansässige Gemeinschaft vor. Mit dem Kongress fühlt sich „Das Werk“ schon seit langer Zeit verbunden, hatte doch der der Gemeinschaft sehr verbundene im Jahr 2005 verstorbene Theologieprofessor und Kardinal Leo Scheffczyk den Kongress von Anfang an begleitet und auch dem Kuratorium des „Forums Deutscher Katholiken“ angehört.
Seit 2007 ist „Nightfever“, der hoffnungsvolle Aufbruch der Jugend für die Neuevangelisation, der beim Kölner Weltjugendtag 2005 entstanden ist, beim Kongress dabei. Der Anbetungsabend in ansprechender und der Eucharistie angemessener Atmosphäre, zu dem Jugendliche die Passanten auf der Straße einladen, fand auch in diesem Jahr wieder statt. Dagmar Wachter, die wir am Stand trafen, freute sich, dass dieser Anbetungsabend bei „Freude am Glauben“ so gut angenommen wird. Dass Nightfever in Fulda Fuß fassen konnte, sei nicht zuletzt dem Kongress zu verdanken.
Solche und andere Erfahrungen zeigten, dass der Kongress, zu dem diesmal rund 1100 bis 1200 Teilnehmer gekommen waren, ein wertvoller Bestandteil des kirchlichen Lebens in Deutschland ist. „Freude am Glauben“ wird auch 2015 stattfinden, und zwar vom 30. Juli bis zum 1. August und abermals in Fulda. Das Thema ist „Die Familie aus christlicher Sicht“.

Erziehung zwischen Führen und Wachsenlassen – was brauchen die Kinder?

In vielfacher Weise wird versucht, die Erziehung der Kinder aus der Elternhand zu nehmen. Bildungspläne, Gendervorgaben und eine bestimmte Form des Sexualkundeunterrichts sollen die Kinder in eine enge, vorgegebene Richtung formen. Auf der anderen Seite gibt es viele Eltern, die ihre Erziehungsaufgabe freiwillig abgeben, nicht nur an die Schule, sondern auch an Medien und eine immer häufiger zu beobachtende erziehungslose Verwöhnstruktur. Übersteigerte Mediennutzung und Bespaßung statt sinnvoller Beschäftigung, ein stetiges Kreisen über den Köpfen der Kinder anstelle von Erziehung zu Verantwortung und Selbständigkeit.

Gemäß der gängigen gesellschaftlichen Strömungen von Nutzenmaximierung, Marktstrukturen und utilitaristischen Tendenzen entsteht der Eindruck, Kinder würden nur noch als Konsumenten und zukünftige, nutzbringende Arbeitskräfte betrachtet. In der Diskussion um Ganztageseinrichtungen ab dem ersten Lebensjahr zum Beispiel spielen die Bedürfnisse und Probleme der Kinder keine Rolle.

Jegliche ideologische Ausrichtung von Bildungsplänen oder schulischen Curricula untergräbt die Erziehungsverantwortung der Eltern und entspricht nicht dem Bildungsauftrag der Schule. Die Erziehung der Kinder gehört in den Verantwortungsbereich der Eltern. Eltern können diese Verantwortung nicht abschieben, die Schulen sind nicht für die Erziehung der Kinder zuständig und dürfen auch nicht dafür zuständig gemacht werden. Eine menschenwürdige Erziehung beinhaltet Respekt, Liebe, die Vermittlung von Werten, Achtsamkeit, Verantwortung im Umgang mit dem anderen Geschlecht, die Übernahme von Verantwortung und die Förderung der Selbständigkeit. Dies bildet die Grundlage für eine den Kindern zugute kommende Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Bildungseinrichtungen.

Erneuerung der Gesellschaft durch Rückkehr zu Gott

Die Menschen haben Gott vergessen, daher kommt alles Übel, diagnostizierte schon vor Jahren der russische Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn den ethischen Niedergang der westlichen Kulturen. Deshalb ist die Erneuerung der Gesellschaft nur durch eine Rückkehr zu Gott möglich.
Das Forum Deutscher Katholiken appelliert an die Gesellschaft, sich wieder stärker Gott zuzuwenden und an den Zehn Geboten zu orientieren. Dies muss auch in der Gesetzgebung seinen Niederschlag finden. Vor allem Politiker christlicher Parteien müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden und ihr Gewissen schärfen, um nicht Etikettenschwindel zu betreiben.
An die Mitglieder der Kirche appelliert das Forum Deutscher Katholiken, sich weniger mit innerkirchlichen Streitthemen auseinandersetzen, als vielmehr ihren missionarischen Auftrag wahrzunehmen. Verantwortliche wie einfache Gläubige dürfen sich nicht immer mehr dem Denken und dem Geschmack der säkularisierten Gesellschaft anpassen und deren Verhaltensweise übernehmen, sondern müssen vielmehr die Frohe Botschaft unverkürzt und auf überzeugende Weise verkünden. In einer Zeit, in der sich kulturelles Leben und Glaube immer weiter von einander entfernen, bleiben Christen herausgefordert, erkennbar als Salz der Erde und Licht der Welt an einer christlichen Neugestaltung der Gesellschaft mitzuwirken. Katholiken sollten sich dabei mit gesundem Selbstbewusstsein und Mut in die gesellschaftspolitischen Diskussionen einbringen und dabei den Menschen mit dienender Liebe begegnen ohne jeden Pessismus und ohne jede Verbitterung. Die christliche Wahrheit ist anziehend und gewinnend, denn sie antwortet auf die tiefen Bedürfnisse der Menschen.
Die Kirche darf nicht zu einer wohltätigen NGO (Nichtregierungsorganisation) werden, sondern muss Christus als den einzigen Weg zum Vater verkündigen. Die Gläubigen müssen sich darum bemühen, ihren Lebenswandel nach dem Vorbild Jesu und in tiefer Freundschaft zu ihm zu gestalten.
Gegenwärtig gibt es einen Anschlag gegen jede Innerlichkeit. Hier muss die Kirche den Menschen den Weg zur Transzendenz neu aufzeigen und sie zur Anbetung Gottes führen. Wenn wir als Kinder Gottes leben, können wir die Welt verwandeln. Als Christen können wir im Gebet den Herrn der Geschichte anrufen und ihn bitten, das zurechtzurücken, was in unserer Gesellschaft aus den Fugen geraten ist.

Papstbotschaft zum Kongress „Freude am Glauben“ 2014 Öffnung auf Gott hin

Papst Franziskus übermittelt allen Teilnehmern am 14. Kongress „Freu- de am Glauben“ des Forums Deutscher Katholiken herzliche Grüße und versichert ihnen seine Verbundenheit im Gebet. Das Motto der diesjähri- gen Tagung:„Der Mensch ist gefährdet – Was rettet ihn?“ greift ein Wort des Heiligen Vaters auf. Die Gefährdung liegt im Verlust der Harmonie in der Beziehung zwischen Gott und Mensch begründet. Lebt und denkt der Mensch nur horizontal, entfernt er sich von Gott. Er versteht nicht mehr, woher er kommt, wer er ist und was ihn umgibt. So haben die Päp- ste im Zusammenhang mit der Frage nach der Ökologie der Schöpfung seit langem die Notwendigkeit einer neuen Ökologie des Menschen ge- sehen. Was rettet den Menschen, was heilt ihn und macht ihn zuinnerst froh? Die Öffnung auf Gott hin, den Quell und Urgrund des Lebens und derWirklichkeitdesMenschen,derunsinJesusChristusHeilundVersöh- nung schenkt. In dieser wiedergewonnenen Harmonie wird der Mensch die Wahrheit über sich selbst und seine Aufgaben im Plan Gottes tiefer verstehen. Getragen von einer Ethik auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes sowie einem Leben aus dem Glauben kann der Mensch den verantwortungsvollen Auftrag, die Welt„zu bebauen und zu hüten“ (Gen 2,15), recht erfüllen und sein ewiges Ziel, den Himmel, erreichen. Mit diesem Gebetswunsch erteilt Papst Franziskus allen Gläubigen, die zum Kongress „Freude am Glauben“ in der Bischofsstadt Fulda zusam- mengekommen sind, von Herzen den Apostolischen Segen.

+Erzbischof Angelo Becciu, Substitut des Staatssekretariats

Hubert Gindert:
Die Krise – Gefahr und Chance

Liebe Freunde,
wir stellen uns auf dem Kongress 2014 der Aussage von Papst Fran- ziskus:„Der Mensch ist gefährdet“. Der Heiligen Vater hat in mehreren Katechesen geäußert: Der Mensch steht in einer Krise und vor einem Wendepunkt. Die Krise birgt Chance und Gefahr in sich. Die Chance liegt darin, dass neue Wege beschritten werden, um Probleme zu lösen, die Gefahr, dass der Mensch abstürzen kann, wenn er seine Identität verliert und nicht mehr weiß, wer er ist und wozu er existiert.
Den Versuch, die menschliche Identität zu zerstören, haben wir aktuell in der Genderideologie, über die Gabriele Kuby bereits auf dem letzten Kongress gesprochen hat. Es handelt sich nach der 68er Kulturrevolution um eine zweite Kulturrevolution. Es geht um die Einebnung der naturgegebenen Unterschiede von Frau und Mann, um die Auflösung der Identität von Mann und Frau. Die Genderideologie bringt den Anti- Schöpfungsbericht, ein Gegenprojekt zum Schöpfergott. Papst Franziskus hat die Genderideologie als „dämonisch“ bezeichnet. Sie steht gegen die Natur, gegen die Vernunft und gegen Gott.
Bei Gender geht es nicht, wie vorgegeben, um Gleichberechtigung von Mann und Frau, sondern um die radikale und erzwungene Gleichsetzung von Mann und Frau.
Die Genderideologie ist der Versuch, Mann und Frau gegeneinander aufzubringen: Sie ist das Gegeneinander statt das Für- und Miteinander, das Kalkül, die Berechnung, die Absicherung voreinander, das Sich-auf Dauer-nicht-binden-wollen.
Haben wir den Mut, daran zu erinnern, was die Menschen – 70% der Jugendlichen – im Eigentlichen ersehnen, nämlich Treue, Liebe, Hingabe und gegenseitigen Respekt. Es geht darum, die jungen Menschen zu befähigen, dass sie das, was sie eigentlich möchten, auch umsetzen und praktizieren.
Die Genderideologie will auch eine moralische Bewertung sexuel- ler Handlungen beseitigen. Alle sexuellen Ausdrucksformen sollen als gleichwertig und gleichberechtigt anerkannt werden.
Die Genderideologie wird nicht nur in wissenschaftlichen Zirkeln diskutiert, sondern auch auf politischer Ebene und in Schulen gegen den Willen betroffener Eltern durchgesetzt. Aufgrund der Desinformation kennen viele die langfristigen Ziele von Gendermainstreaming nicht. Wir bitten deshalb eindringlich um ein Wort der Bischöfe über die Genderideologie für die Katholiken und für die Menschen, die sich an der Stimme der Kirche orientieren wollen.
„Der Mensch ist in Gefahr“. Papst Franziskus hat das wörtlich so ausgedrückt:
„Der Mensch ist heute gefährdet, und die Gefahr ist groß, denn die Ursache des Problems ist nicht oberflächlich, sondern sitzt tief. Was zerstört werden kann, ist der Mensch. Doch der Mensch ist das Ebenbild Gottes. Aus diesem Grund ist es eine tiefe Krise.“
Wir beleuchten diese Krise auf unserem Kongress und bemühen uns gleichzeitig, Auswege zu finden. Wo treten solche Krisen auf? Zum Beispiel:

  • Wenn sich der Mensch zum Herrn über Leben und Tod auf
    schwingt, weil er glaubt, demokratische Mehrheiten könnten
    alles beschließen
  • Wenn der Mensch Versagen und Schuld auf Strukturen
    abschiebt und dem Unschuldswahn verfällt
  • Wenn Schule und Erziehung nicht mehr der Entfaltung
    menschlicher Fähigkeiten und Begabungen dienen, sondern dem Prestigedenken oder der schnellen ökonomischen Verwertung der Fertigkeiten.

Wir wollen uns angesichts solcher Vorgänge zu Wort melden und Stellung beziehen gegen Entwicklungen, die unserer Überzeugung und unserem Glauben widersprechen.
Wir suchen Lösungen, indem wir fragen: Was ist die vom Schöpfer, d.h. die gottgewollte Bestimmung des Menschen?
Liebe Freunde, wir haben unseren Kongress mit einem feierlichen Gottesdienst im Dom zu Fulda begonnen. In diesem Dom ruht Bonifatius, der erste Apostel der Deutschen. Auf einer seiner Missionsreisen hat Bonifatius im hessischen Geismar die dem Donnergott Donar geweihte Eiche gefällt, die die damaligen Heiden verehrten. Die Namen der heutigen Götzen heißen nicht mehr Donar oder Thor, sondern Konsum, Geld, Macht, Sex, Eitelkeit. Sie gefährden heute den Menschen. Unsere Aufgabe ist es aber den Menschen zu retten, nicht mit einem müden und frustrierten Gesicht, so als ob wir den Kampf schon aufgegeben hätten, sondern mit „Freude am Glauben“!

Ich danke Ihnen.

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Aufruf zur Demonstration für das Erziehungsrecht der Eltern

Wir gehen am 19. Oktober in Stuttgart auf die Straße, um das vorrangige Recht der Eltern auf Erziehung Ihrer Kinder (Art. 6,2 GG) einzufordern! Die staatliche Pflichtschule hat kein Recht, unter dem Vorwand der Sexualerziehung die Genderideologie und die Gleichwertigkeit aller Formen von Sexualität gegen den Willen der Eltern durchzusetzen.

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ (Art. 6,1 GG). Wir verlangen von unseren Abgeordneten, dass sie die verfassungsmäßig garantierten Erziehungsrechte der Eltern schützen. Wir erwarten außerdem von den Volksvertretern, dass sie in ihrem Ehe- und Familienleben ein Vorbild für unsere Jugend sind.

Wir fordern unsere Mitbürger auf, von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen und für das Erziehungsrecht der Eltern einzutreten!

Prof. Dr. Hubert Gindert

1.Vorsitzender des „Forums Deutscher Katholiken“

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