Glaube und Humanität in einer alternden Gesellschaft

Prälat Prof. Dr. Dr. h.c. Lothar Roos, Bonn

 

Von Papst Paul VI. stammt der schöne Satz: „Die Kirche hat der Menschheit die Liebe Gottes und das ihr durch Christus gebrachte Heil zu verkünden; eben damit lässt sie aber das Licht des Evangeliums auch in Handel und Wandel der Menschen hineinstrahlen und hilft ihnen damit, dem, was Gott in seiner liebevollen Absicht mit ihnen vorhat, zu entsprechen und das Vollmaß dessen zu erreichen, was Ziel ihres eigenen Strebens ist“ (Octogesima adveniens 1). Statt in Handel und Wandel“ könnten man im Blick auf unser Thema sagen: in Leben und Sterben einer alternden Gesellschaft? Dabei geht es um drei Fragen: Wie werden wir älter? Wie wollen wir alt sein? Wie wollen wir sterben?

I.Wie werdem wir älter?

1.Unsere alternde Gesellschaft

Dass wir in einer alternden Gesellschaft leben, ergibt sich aus zwei demografischen Faktoren: der zunehmenden Lebenserwartung und der abnehmenden Geburtenhäufigkeit. Über die zunehmende Lebenserwartung macht Jörg Althammer, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Katholischen Universität Eichstädt/Ingolstadt, auf einen oft übersehenen Aspekt besonders aufmerksam: Die mit dem Eintritt in den Ruhestand beginnende fernere Lebenserwartung“ eines 65-jährigen Mannes liegt aktuell bei 18 Jahren, bei einer Frau beträgt sie 21 Jahre. Die so gewonnenen Lebensjahre“ sind in der Regel in der ersten Hälfte dieser Zeitspanne recht gesunde Lebensjahre“. Der Gesundheitszustand und die damit gegebene Erwerbsfähigkeit“ der Bevölkerung seien sogar noch etwas stärker gestiegen als die Lebenserwartung.“1 Weiterlesen

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Maria – Pforte zu neuer Hoffnung

Pfarrer Winfried Abel, Heiligenkreuz

 

Evangelisation als Hebammenkunst

Von Sokrates stammt das Wort „Hebammenkunst“. Hebammenkunst (Mäeutik) ist eine Form der Seelsorge und der Verkündigung.

Vor zwei Tagen begegnete mir ein junger Vietnamese, der aus einem heidnischen Umfeld stammt. Hier in Deutschland fand er zum katholischen Glauben. Der junge Mann berichtete mir, dass er bei der Vorbereitung auf die Taufe die überraschende Feststellung machte: „Das habe ich ja alles schon gewusst, das war ja alles schon in mir da!“ Das bereits „Gewusste“ musste bei ihm nur noch ins Bewusstsein gehoben werden.

Was dieser junge Mann erfahren hatte, gilt ganz allgemein! Auch die Verkündigung und Evangelisation der Kirche ist nichts anderes als „Hebammenkunst“, – den Menschen bewusst machen, was in ihnen schon da ist, was in ihnen bereits angelegt ist. Weiterlesen

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Stellungnahme des „Forums Deutscher Katholiken“ zum „Priestermangel“ in Deutschland

Unter der Überschrift „Gehen der katholischen Kirche die Priester aus?“ greifen selbst säkulare Medien das „Allzeittief“ von nur 58 Priesterweihen für alle deutschen Diözesen im Jahr 2015 auf. Die gleichen Medien nennen aber die eigentlichen Ursachen dieses Tiefpunktes nicht:

Kamen die Priesterkandidaten früher überwiegend aus kinderreichen Familien, in denen gebetet und ein katholisches Leben praktiziert wurde, so ist das bei modernen Familien mit 1,4 Kindern, denen selbst am Sonntag weithin die Bindung an die Kirche fehlt, anders geworden. Wo soll da eine Berufung zum Priestertum ansetzen?

Medien und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) präsentieren ohne lange Überlegung „Rezepte gegen den Priestermangel, aber keine Lösungen, z.B. Abschaffung des Zölibats, die Weihe bewährter Männer (viri probati), Frauendiakonat, „sakramentale Funktionen“ für Pastoralreferentinnen ( „vor allem die Krankensalbung“). Die Forderungen nach Frauendiakonat und Spendung solcher Sakramente, die Priestern vorbehalten sind, stammen aus dem Arsenal der Kirchenveränderer.

Die Formulierung „Import-Priester sind keine Lösung“ zeigt, dass es den selbsternannten Kirchensanierern nicht um die geweihten Priester geht. Sie verrät zudem fehlende Geschichtskenntnis. Deutschland wurde einmal durch iroschottische und angelsächsische Missionare wie Bonifatius und Gefährten, christianisiert. Warum nicht heute durch Priester aus Indien oder Schwarzafrika? Dort können die Priesterseminare nicht alle Priesterkandidaten aufnehmen! Es ist ja nicht „die Kirche“, der die Priester ausgehen. Das gilt für Westeuropa und Deutschland, einen besonders glaubensschwachem Teil der Weltkirche.

Die Lösung unserer Probleme liegt in der Stärkung jener Familien, die ihre Kinder wieder im christlichen Geist erziehen und so neues Leben in die Kirche bringen. Bis dahin sind wir für die „Import-Priester“ sehr dankbar!

 

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Der wichtigste Lebensraum: Ehe und Familie

Manfred Spieker

Jedes Land hat ein vitales Interesse, „diejenigen privaten Lebensformen besonders auszuzeichnen, zu schützen und zu fördern, welche Leistungen erbringen, die nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für die übrigen Gesellschaftsbereiche notwendig sind“. Die Lebensform, von der hier im 5. Familienbericht der Bundesregierung (1994) die Rede ist, ist die Ehe und die aus ihr hervorgehende Familie. Seit Jahrhunderten werden Ehe und Familie in sehr verschiedenen politischen Systemen, in verschiedenen Kulturen und Religionen moralisch wie rechtlich geschützt, gefördert und privilegiert, weil sie nicht nur den Wünschen der beteiligten Personen entsprechen, sondern der ganzen Gesellschaft Vorteile bringen.  Aus soziologischer Sicht haben sie, so dieser Familienbericht, eine gesellschaftliche Funktion, aus ökonomischer Sicht produzieren sie positive externe Effekte. Was sind diese Funktionen von Ehe und Familie für die Gesellschaft? Weiterlesen

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Eine staatliche Ordnung „Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen“

Werner Münch, Ministerpräsident a.D.

1. Einleitung

der diesjährige Kongress „Freude am Glauben“ steht unter der Fragestellung „Was gibt dem Menschen Hoffnung für die Zukunft?“ Nach dem Eröffnungsreferat durch Herrn Erzbischof Burger ist es jetzt meine Aufgabe als Politikwissenschaftler, eine staatliche Ordnung „im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen“ zu beschreiben und Folgerungen daraus abzuleiten. Dabei befasse ich mich zuerst mit dem Thema Verfassung und Gottesbezug und danach mit der Situation in Politik, Gesellschaft und Kirche anhand dreier ausgewählter Themenbereiche. Ich beginne mit dem Thema:
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